08.01.2012
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Da steht sie. Die Mutter. Tatjanas künftige Schwiegermutter. Bemerkenswert und blickfängig in Hülle und Fülle, was hier bedeutet, dass die „Fülle“ sich auf den Leibesumfang bezieht und die „Hülle“ auf das lange, breite, barbarisch bunte und mit einem hypnotisierenden Ethnomuster versehene Gewand an eben diesem Leibe verweist.
„Bitte die Schuhe aus!“
Tatjana ist beeindruckt. Augenscheinlich hat sie es hier mit einer wortgewandten Walle-Walle-Walküre zu tun. Jetzt nur nett sein und lächeln, denn der erste Eindruck zählt. Die Fülle entfernt sich aus dem Türrahmen und wirft Tatjana zwei Pantoffel hin, bellt „Hausschuhe“ und mustert die arme Tatjana von oben bis unten. „Da hat der Gregor sich ja was eingefangen, was?“, knurrt die Schwiegermutter in spe, quetscht ihr die Hand und geht wieder zurück in die Küche. Das klang gerade, als sei Tatjana ein Virus. Die Schwiegermutter in spe ruft aus der Küche: „Vati sitzt im Wohnzimmer, geht ihm mal ´Guten Tag´ sagen!“
Das tun sie. Da stehn sie. Der Gregor und die Tatjana. Vor der Krawatte des allmächtigen AlleskönnendenÜbervaters. Im Nebenzimmer bellt der eingesperrte Familienhund.
13.11.2011
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Es war einmal in den sächsischen Landen, da lebte ich in Eintracht und Frieden mit meiner Katze in einer Wohnung und schrieb Texte und las Märchen und aß Kartoffelbrei und alles war schön, bis der Tag kam, an dem meine Freunde beschlossen, mich zu verkuppeln, damit ich im nahenden Winter nicht so alleine sei, und ihre Wahl war gefallen auf einen jungen, ein bisschen ver- oder gestört wirkenden Mann namens Hubert.
Hubert wurde mir vorgestellt und bereits der erste Eindruck verdeutlichte mir, was meine Freunde gedacht haben mussten, als sie sich dafür entschieden hatten, uns zusammenzuführen: dass Hubert, genau wie ich, ein Resozialisierungsprogramm nötig hatte. Das war bereits seiner äußeren Erscheinung anzumerken, die von beginnender Verwahrlosung zeugte: in ein freundliches Schwarz gekleidet präsentierte sich Hubert mit leider ungewaschenen, langen, lockigen Loden, einem Bandshirt, dessen Schrift mich eher an die architektonischen Winkelzüge gotischer Kirchtürme erinnerte und dessen Ausdünstungen an die kircheneigene Krypta, in schwarzen Militärhosen und Stiefeln, denen man ansah, dass ihren Stahlkappen schon das ein oder andere niedliche kleine Rehkitzköpfchen zum Opfer gefallen war. Seine nach außen gerichteten Nietenbänder, mit denen er sich über und über garniert hatte, signalisierten hingegen ein freundliches „Komm her und kuschel mich“. All das aber war nichts gegen die mürrische Miene und den starrenden Blick, mit dem er mich die ganze Zeit fixierte, während mir meine Freunde erklärten, der Hubert sei eigentlich ein ganz Netter, nur ein bisschen schüchtern.
Wie auf Stichwort trat der zwei Meter große und zwei Meter breite Koloss also auf mich zu, und ich wollte gerade entsetzt nach hinten zurückweichen, weil ich befürchtete, er würde mir jetzt mit seinen Baggerschaufelpranken eine runterhauen, da öffnete er den Mund und tönte in tiefstem Bass:
„Duä. Un ich. Mäddel. Am Samstach. Forschdähsd du dos?“
Und da ich mich nicht traute zu widersprechen, nickte ich nur und versuchte, mir nicht in die Hosen zu pinkeln vor Angst. Jetzt gab es kein Zurück mehr: ich würde also – wenn ich das richtig verstanden hatte – am Samstag mit diesem Stück Holz auf ein Metalkonzert gehen. Und, vielleicht, wenn alles gut ging, sogar wiederkommen.
Eine kleine Liste der Dinge, die Hubert mir verschwiegen hat, die mir meine Freunde allerdings nach dieser Begegnung der dritten Art freundlicherweise noch mitteilten:
(Erinnert das den geneigten Lesen zufällig an den Film „Psycho“? Mh, nun – mich auch.)
Folgerichtig versuchte ich, mich zu weigern, aber meine Freunde schlugen mich, bezichtigten mich der Feigheit und des Vorurteilehabens und begründeten die Notwendigkeit eines Treffens mit Hubert mit der unwiderlegbaren Tatsache, ich hätte es nötig und müsste mal wieder raus. (Und damit meinten sie augenscheinlich, raus in einen Wald, aus dem ich nie wieder herausfinden würde.) Derart mürbe gemacht ergab ich mich schließlich und verpflichtete mich tränenden Auges dazu, ein Wochenende mit Neandertaler Hubert zu verbringen. Allein. Im Wald. Bei ihm. Und seiner Mutter.
05.11.2011
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Nichts passiert vor der Zeit und wir waren alle schon mal tot. Kein Problem.
Wir fragen uns eben nur, wer morgen früh zuerst den Mann, der sich an den Wäschestangen mitten im Plattenbaughetto auf der Grünfläche zwischen Block 3 und Block 4 aufgehangen hat, findet.
Anders gefragt: Was wäre denn schlimmer? Wenn ihn die Oma sieht, die, wie jeden Morgen um 6 Uhr, ihre Blumen auf dem Balkon gießen will, gleich, ob es regnet oder nicht, und die diesmal sogar schon 5 Uhr diese Aufgabe verrichtet, weil ihr Wecker spinnt?
Das muss an den Akkus liegen, vielleicht hat sie vergessen, sie neu aufzuladen, vielleicht hat sie es auch noch nie getan, vielleicht tut das ihr Schwiegersohn aus Block 2, wenn er alle zwei Monate mal mit seiner Familie zum Kaffee trinken vorbeischaut? Vielleicht hat er sich gerade ein Bein gebrochen und ist deshalb unfähig, ihr einen Besuch abzustatten? So muss es sein.
Deshalb hat er die Akkus nicht aufladen können. Deshalb hat der Wecker 5 Uhr schon geklingelt. Deshalb fiel die senile alte Dame dem Glauben anheim, es sei 6 Uhr. Und deshalb goss sie ihre Blumen.
Aber es war 5 Uhr.
Deshalb ist sie die Erste, die den Mann dort unten an den Wäschestangen auf der spärlichen begrünten Fläche baumeln sieht. Das wäre schlimm, ein Trauma zweifelsohne.
Aber es geht noch schlimmer:
03.10.2011
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Guten Abend, gestatten, ich bin auf der Flucht. Ich sitze im Zug, um wieder in der Heimat zu hausen, denn ich wurde vertrieben und ich, ich muss auch was austreiben.
In die überstürzte Flucht schlug mich das indiskrete Internet (auch Weltnetz oder Geißel Gottes genannt), welches mir stündlich neue elektronische Post zustellte, die ich jedoch gar nicht haben wollte, weil sie meistensteils von einer Gruppe Menschen stammte, die ich, für mich, heimlich, die „Arbeitsaufschwätzer“ nenne. Ihre Anliegen sind immer bis gestern zu erledigen, Notfälle von überzeugender Relevanz, überlebenswichtige zu erledigende Projekte, und sie selbst kennen weder Gnade noch Wochenende.
Irgendwann kam ich nicht mehr hinterher, die Mails zu beantworten. Geschweige denn, die mir auferlegten Aufträge zu bearbeiten. Irgendwann wuchs mir mein eigenes Postfach über den Kopf, in dem bereits die drei Dämonen Selbstzweifel, Selbstbeschimpfung und Selbsthass wohnten. Ich brauchte, wie mir auffiel, einen Exorzismus, sozusagen. Als erstes mussten die Schwätzer weg. Die Dämonen. Oder ich. Und so fing es an: mit dem Gedanken an das weg.
07.06.2011
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„Durch einer Geister Welt schien ich zu wandeln
Und fühlt mich selbst als Schatten eines Traums.“
Lord Alfred Tennyson (1809 – 1892), „Die Prinzessin“
Ob es einen Unterschied machen würde, wenn der kleine Karl wüsste, dass es jede Nacht exakt dieselbe Uhrzeit ist, zu der er aufwacht? Jede Nacht um 3 Uhr 8 wacht der kleine Karl auf, jede Nacht. Aber auch ohne dass er es weiß, ist es für ihn ja stets dieselbe Uhrzeit: die Zeit, um die er den Schlaf verlässt. Daran orientiert sich alles. Was das in Zahlen bedeutet, ist gleich. Karl kann die Uhr ja so oder so noch gar nicht lesen.
19.05.2011
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Oder: Die ein bisschen traurige Geschichte von Horst Flieger
Wir schreiben das Jahr 2011, und in diesem Jahr 2011 hockt eines späten Sommerabends, auf einem verlotterten Hof in einer Gegend, die so trostlos ist, dass sie nicht einmal eine Bezeichnung hat, im Niemandsland quasi, ein Mensch im Licht einer flackernden Funzel in seiner Küche und versucht, einen ordentlichen Knoten in ein unterarmdickes Seil zu schlagen, mit dem er seinem Leben noch heute ein Ende zu bereiten gedenkt. Dieser Mensch, der gerade mit einer so ungewöhnlichen Tätigkeit zugange ist, trägt den ebenso ungewöhnlichen Namen Horst Flieger, und seine Geschichte soll hier erzählt werden.
08.05.2011
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Gestatten: Ich bin die Kasernenkatze.
Nun, eigentlich bin ich hier die Kasernenkommandantin, aber das wissen die, die in meinem Revier rumstreunen, fünf Mal am Tag ihren Anzug wechseln und planlos über das Gelände hetzen, scheinbar nicht, weil ihnen das keiner gesagt hat, und sie wissen nur das, was man ihnen sagt und sie tun auch nur das, was man ihnen sagt. Damit, ihnen zu erzählen, wer hier wirklich das Sagen hat, verschwende ich allerdings nicht meine Zeit. So lange sie meine Vorhaben nicht durchkreuzen, dürfen sie gern hier zu Gast sein, in meiner Kaserne. Wir kommen uns nur selten in die Quere, denn für die wirklich wesentlichen Dinge haben sie kein Verständnis und wohl auch keine Zeit: sie haben damit zu tun, in Rudeln umherzulaufen, sich gegenseitig mit wirrem Zeug zu beschwatzen – im günstigsten Fall, im ungünstigsten Fall schreien sie einander an, was meinen feinen Katzenohren gar nicht gut tut – und der Prüfungen wegen nach Angst zu riechen, bevor sie sich gegenseitig beweihräuchern und sich mit ernstem Gesichtsausdruck Blechgebamsel an ihre grauen Uniformen hängen.
14.04.2011
…und ich bin aus über 600 Einsendungen immerhin noch auf dem 11. Platz gelandet.
Die eingesandte Geschichte findet ihr hier:
http://www.hs-veranstaltungen.de/?idcat=61&idart=341
Viel Spaß beim Lesen!
M. M.
14.04.2011
einst war aeskulap, dem alten, ein schwere bürde auferlegt worden.
nicht ohne wohlgefallen hatte er anfangs den aufstieg des jungen apoll verfolgt. dieser war ehedem nur ein rattenfänger, der die musen anleitete, ein literatur-, kunst- und musik-liebhaber, kurz: ein idealistischer, intellektueller jüngling gewesen; hatte sich aber gerade lange genug im abglanz von ra und horus gesonnt, dass er gleichsam zum neuen hellenischen sonnengott mutiert war. und wenn schon von erleuchtung die rede ist, so wurden ihm auch weisheit, einsicht, maß, güte, heilkunst, ästhetik und des weiteren mehr zugeschrieben.
apoll konnte in so jungen jahren (er war erst einige äonen nach dem sturz der titanen zum gefolge des zeus gestoßen) diese last der aufgaben noch nicht schultern.
04.02.2011
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Liebe Bunzelwehrmenschen, liebe Primaten der Politik,
euch ist auch wirklich nichts zu peinlich, oder? Habt ihr euch schonmal überlegt, was eigentlich euer Problem ist? Habt ihr schon mal darüber gegrübelt, warum euch keiner mag, ihr lieben kasernierten Kameradinnen und Kameraden?
Bisher meintet ihr, es läge daran, dass ihr in Uniform rumlauft, den ganzen Tag rumbrüllt und ab und an ein paar Leichen produziert, aber das stimmt nicht.
Euer Problem heisst nicht Gorch Fock, nein, und es liegt auch nicht an den seltsamen Aufnahmeritualen, die normale Menschen eventuell als unwürdig empfinden könnten (diese schwulen Weicheier!).
Nein, euer Problem trägt einen anderen Namen: L-E-G-A-S-T-H-E-N-I-E.
Klar, dass die Bunzelwehr nur noch aus Deppen besteht, wenn ihr auf eurer Weltnetzpräsenz, mittels derer ihr den Nachwuchs rekrutiert, nur so mit eurer DEPPENRECHTSCHREIBUNG protzt!
Da merkt man irgendwie: das Bild, das ihr nach aussen vermittelt, tangiert euch denn doch nur peripher.
Uns tangiert es wohl, denn wir empfinden eure Darstellung als Ohrfeige ins Gesicht eines jeden halbwegs gebildeten Menschen – deswegen haben wir uns erlaubt, euch mal eure ganzen Rechtschreibfehler herauszusuchen. Damit ihr nicht gleich anfangt zu weinen – denn es sind wirklich sehr, sehr viele – haben wir nur einige eurer Seiten herausgepickt und vor allem: korrigiert. Offenbar schafft ihr es ja nicht ohne Hilfe von aussen. Eure Fähigkeiten erreichen gänzlich ungeahnte Dimensionen! Wer könnte auch damit rechnen, dass ihr es schafft, in einem Abschnitt mehr Rechtschreibfehler einzubauen als Worte vorhanden sind?!
Aber man kann auch schon mal “durcheinanader” kommen, wenn mal viel mit “Gesetzten” und wenig mit “Vorgesetzten” zu tun hat.
Wir wetten, der feurige Chef zu Guttenberg “krigt” die “Kriese”, wenn er das lesen muss.
(Wenn er lesen kann.)
Gleichwohl, ihr schuldet uns was.
Mit einem herzlichen “Wegtreten!” grüssen:
Gahi & Morné
P.S.: Falls ihr noch kluge Mädels braucht – Menschen mit Studium, Menschen, die lesen und schreiben können – hier sind wir, eure tollen neuen potentiellen Offiziersanwärterinnen. Wir würden euch vor weiteren derartigen Blamagen bewahren, vertraut uns, mit uns wäre euch sowas erst gar nicht passiert. Meldet euch – gebt uns ´ne Einzelstube und wir können über alles reden. Nehmt uns – ihr braucht uns.