15.03.2010

Ha!

Als ich noch klein und Grufti war (ja, damals hiess das noch so) habe ich, im Gegensatz zu heute, wo ich zwar immer noch klein, aber kein Grufti mehr bin und kaum noch was an mir schwarz ist (ausgenommen Haare und Humor), immer davon geträumt, dass eines Tages mal irgendein Schreiberling beim Szenemagazin Orkus sich meiner erbarmt und mein tolles erstes Buch rezensiert, damit meine literarischen Ergüsse nicht mehr nur im Kleinanzeigenteil, indem sonst nur schwarze Engel und tote Teufel unterwegs sind, erscheinen.

Nun denn! Der Tag ist gekommen. HIER ist sie, die Rezension aus dem Print-Orkus und damit eindeutig ein Grund, sich diesen nach annähernd 10 Jahren mal wieder zu kaufen:

“Morné Mirastelle / Kopf-Stein-Pflaster (ubooks)



Wieder einer dieser Tage – vierundzwanzig Stunden, angefüllt mit farblosen Belanglosigkeiten, einzig eingefärbt durch verlogene Floskeln aus Höflichkeit, Oberflächengekratze und Scheinbar-glücklich-Geschichten. Erfüllung? Sinn? Fehlanzeige! Such´ woanders! Wer sich jetzt schon vor seinen dunkelsten Stunden sieht und den Kopf lieber frei hält für Sommersonnentage und Schönwettergedanken, sollte Morné Mirastelles Kopf-Stein-Pflaster besser gleich wieder zum Verstauben ins Regal stellen, denn hier regnet es Tristesse, versinnbildlichte Pflastersteine und nachdenkliches Gedankenmaterial in Kurzgeschichten.

Angereichert mit interessanten wie traurigen Gestalten, deren Lebenssinn wohl niemals gegeben war. “Lichtquellenkonzentrationspunkt”, “Stadtmorgennebel”, “nachtseidenschwer” – der Autorin gefällt es ohne jeden Zweifel, ungewöhnliche und doch so bildgebende Wortschöpfungen zu kreieren, mit ihren zum Teil wirren Erzählungen zum Philosophieren anzuregen und – das ist wirklich schade – mit ihren oftmals (gewollt?) komplizierten Sätzen zu verwirren. Ist es ein Dienst am leser, ihn mit scheinbar endlosen Schachtelsätzen ins Abseits des Verstehens zu stellen? Ergibt das Sätzebilden allein um der Wortfindung willen einen Sinn?

Nun, schon darüber liesse sich trefflich diskutieren, doch sollte dies den philosophischen Gedanken hinter den Geschichten vorbehalten sein, die sich zwar recht oft verborgen im Schreibstildickicht zeigen, gleichwohl aber reichlich vorhanden sind und zeigen: Kopf-Stein-Pflaster beschreibt vielleicht den Stillstand des Daseins in all seinen grauen Farben, lässt aber dem Stillstand der Gedanken keinen Raum.

Gelegentlich ein bisschen verkopft, mitunter auch zu gewollt, aber absolut interessant! Erhältlich jenseits der traumsequenzen für reale 9,95 Euro im ubooks-Verlag, ISBN 978-3-86608-119-2.


(c) Doreen Krase”

Quelle: Orkus (Printausgabe) No.3 / März 2010


geschrieben am 15.03.2010 um 17:20 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · RSS 2.0-Feed der Kommentare.
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