17.05.2012
Schön wars, und schnieke Bilder hat die Rosa Hauch gemacht: http://www.poetenpalaver.de/
08.01.2012
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Da steht sie. Die Mutter. Tatjanas künftige Schwiegermutter. Bemerkenswert und blickfängig in Hülle und Fülle, was hier bedeutet, dass die „Fülle“ sich auf den Leibesumfang bezieht und die „Hülle“ auf das lange, breite, barbarisch bunte und mit einem hypnotisierenden Ethnomuster versehene Gewand an eben diesem Leibe verweist.
„Bitte die Schuhe aus!“
Tatjana ist beeindruckt. Augenscheinlich hat sie es hier mit einer wortgewandten Walle-Walle-Walküre zu tun. Jetzt nur nett sein und lächeln, denn der erste Eindruck zählt. Die Fülle entfernt sich aus dem Türrahmen und wirft Tatjana zwei Pantoffel hin, bellt „Hausschuhe“ und mustert die arme Tatjana von oben bis unten. „Da hat der Gregor sich ja was eingefangen, was?“, knurrt die Schwiegermutter in spe, quetscht ihr die Hand und geht wieder zurück in die Küche. Das klang gerade, als sei Tatjana ein Virus. Die Schwiegermutter in spe ruft aus der Küche: „Vati sitzt im Wohnzimmer, geht ihm mal ´Guten Tag´ sagen!“
Das tun sie. Da stehn sie. Der Gregor und die Tatjana. Vor der Krawatte des allmächtigen AlleskönnendenÜbervaters. Im Nebenzimmer bellt der eingesperrte Familienhund.
13.11.2011
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Es war einmal in den sächsischen Landen, da lebte ich in Eintracht und Frieden mit meiner Katze in einer Wohnung und schrieb Texte und las Märchen und aß Kartoffelbrei und alles war schön, bis der Tag kam, an dem meine Freunde beschlossen, mich zu verkuppeln, damit ich im nahenden Winter nicht so alleine sei, und ihre Wahl war gefallen auf einen jungen, ein bisschen ver- oder gestört wirkenden Mann namens Hubert.
Hubert wurde mir vorgestellt und bereits der erste Eindruck verdeutlichte mir, was meine Freunde gedacht haben mussten, als sie sich dafür entschieden hatten, uns zusammenzuführen: dass Hubert, genau wie ich, ein Resozialisierungsprogramm nötig hatte. Das war bereits seiner äußeren Erscheinung anzumerken, die von beginnender Verwahrlosung zeugte: in ein freundliches Schwarz gekleidet präsentierte sich Hubert mit leider ungewaschenen, langen, lockigen Loden, einem Bandshirt, dessen Schrift mich eher an die architektonischen Winkelzüge gotischer Kirchtürme erinnerte und dessen Ausdünstungen an die kircheneigene Krypta, in schwarzen Militärhosen und Stiefeln, denen man ansah, dass ihren Stahlkappen schon das ein oder andere niedliche kleine Rehkitzköpfchen zum Opfer gefallen war. Seine nach außen gerichteten Nietenbänder, mit denen er sich über und über garniert hatte, signalisierten hingegen ein freundliches „Komm her und kuschel mich“. All das aber war nichts gegen die mürrische Miene und den starrenden Blick, mit dem er mich die ganze Zeit fixierte, während mir meine Freunde erklärten, der Hubert sei eigentlich ein ganz Netter, nur ein bisschen schüchtern.
Wie auf Stichwort trat der zwei Meter große und zwei Meter breite Koloss also auf mich zu, und ich wollte gerade entsetzt nach hinten zurückweichen, weil ich befürchtete, er würde mir jetzt mit seinen Baggerschaufelpranken eine runterhauen, da öffnete er den Mund und tönte in tiefstem Bass:
„Duä. Un ich. Mäddel. Am Samstach. Forschdähsd du dos?“
Und da ich mich nicht traute zu widersprechen, nickte ich nur und versuchte, mir nicht in die Hosen zu pinkeln vor Angst. Jetzt gab es kein Zurück mehr: ich würde also – wenn ich das richtig verstanden hatte – am Samstag mit diesem Stück Holz auf ein Metalkonzert gehen. Und, vielleicht, wenn alles gut ging, sogar wiederkommen.
Eine kleine Liste der Dinge, die Hubert mir verschwiegen hat, die mir meine Freunde allerdings nach dieser Begegnung der dritten Art freundlicherweise noch mitteilten:
(Erinnert das den geneigten Lesen zufällig an den Film „Psycho“? Mh, nun – mich auch.)
Folgerichtig versuchte ich, mich zu weigern, aber meine Freunde schlugen mich, bezichtigten mich der Feigheit und des Vorurteilehabens und begründeten die Notwendigkeit eines Treffens mit Hubert mit der unwiderlegbaren Tatsache, ich hätte es nötig und müsste mal wieder raus. (Und damit meinten sie augenscheinlich, raus in einen Wald, aus dem ich nie wieder herausfinden würde.) Derart mürbe gemacht ergab ich mich schließlich und verpflichtete mich tränenden Auges dazu, ein Wochenende mit Neandertaler Hubert zu verbringen. Allein. Im Wald. Bei ihm. Und seiner Mutter.
05.11.2011
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Nichts passiert vor der Zeit und wir waren alle schon mal tot. Kein Problem.
Wir fragen uns eben nur, wer morgen früh zuerst den Mann, der sich an den Wäschestangen mitten im Plattenbaughetto auf der Grünfläche zwischen Block 3 und Block 4 aufgehangen hat, findet.
Anders gefragt: Was wäre denn schlimmer? Wenn ihn die Oma sieht, die, wie jeden Morgen um 6 Uhr, ihre Blumen auf dem Balkon gießen will, gleich, ob es regnet oder nicht, und die diesmal sogar schon 5 Uhr diese Aufgabe verrichtet, weil ihr Wecker spinnt?
Das muss an den Akkus liegen, vielleicht hat sie vergessen, sie neu aufzuladen, vielleicht hat sie es auch noch nie getan, vielleicht tut das ihr Schwiegersohn aus Block 2, wenn er alle zwei Monate mal mit seiner Familie zum Kaffee trinken vorbeischaut? Vielleicht hat er sich gerade ein Bein gebrochen und ist deshalb unfähig, ihr einen Besuch abzustatten? So muss es sein.
Deshalb hat er die Akkus nicht aufladen können. Deshalb hat der Wecker 5 Uhr schon geklingelt. Deshalb fiel die senile alte Dame dem Glauben anheim, es sei 6 Uhr. Und deshalb goss sie ihre Blumen.
Aber es war 5 Uhr.
Deshalb ist sie die Erste, die den Mann dort unten an den Wäschestangen auf der spärlichen begrünten Fläche baumeln sieht. Das wäre schlimm, ein Trauma zweifelsohne.
Aber es geht noch schlimmer:
14.06.2009
Meine Universität und ich, wir haben ein gespaltenes Verhältnis zueinander.
Ich studiere Geschichte und Germanistik, dafür ist es notwendig, dass ich Latein lerne, denn irgendwer muss ja dann irgendwann mal all die mittelalterlichen Urkunden vom Lateinischen ins Deutsche übersetzen und ich weiss jetzt schon – ich werde es nicht sein.
Mein Lateinlehrer ist ein Lateinlehrer, ihr wisst ja, Latein, das ist keine Sprache, es ist, obgleich tot, eine Lebenseinstellung, alles sauber durchkonjugiert und durchdekliniert, und was nicht im Präteritum Passiv mittels relativen Satzanschlusses zu vermitteln ist, das existiert nicht.