14.04.2011
einst war aeskulap, dem alten, ein schwere bürde auferlegt worden.
nicht ohne wohlgefallen hatte er anfangs den aufstieg des jungen apoll verfolgt. dieser war ehedem nur ein rattenfänger, der die musen anleitete, ein literatur-, kunst- und musik-liebhaber, kurz: ein idealistischer, intellektueller jüngling gewesen; hatte sich aber gerade lange genug im abglanz von ra und horus gesonnt, dass er gleichsam zum neuen hellenischen sonnengott mutiert war. und wenn schon von erleuchtung die rede ist, so wurden ihm auch weisheit, einsicht, maß, güte, heilkunst, ästhetik und des weiteren mehr zugeschrieben.
apoll konnte in so jungen jahren (er war erst einige äonen nach dem sturz der titanen zum gefolge des zeus gestoßen) diese last der aufgaben noch nicht schultern.
05.11.2009
Trübe Lichter scheinen kaum,
den Weg sie nicht beleuchten.
Und Menschen, die sie bräuchten -
Irrlicht führt sie durch den Traum.
Seichte Wasser kühlen nicht,
sie riechen streng nach Algen,
sie dümpeln überall, wenn
keiner diesen Damm zerbricht.
Luft so dicht, dass man sich stößt
am anthrazit’nen Himmel.
Ein garstiges Gewimmel:
Menschen japsend weit entblößt.
Boden, sumpfig, hält uns nicht.
Man sieht uns straucheln, schlittern,
und mehr und mehr verbittern.
Erde, letztes Bett, es sticht.
08.09.2009
Ich bin überlegen,
Aus echtem deutschen Erbgut,
Trag mein Herz am rechten Fleck
Und habe eine Scheißwut
Auf Türken, Juden und Chinesen,
Schwule, Gypsies, Zwitterwesen,
Punks und Linke gleichermaßen.
Also zieh ich durch die Straßen,
Gröle, prügle, randalier,
Immer mit ner Dose Bier
In der schwachen linken Hand.
Ertränke so den Rest Verstand,
Der er mir gelassen hat –
Der Propagandaapparat.
26.04.2009
Im Haus am Bahndamm
haben – Du und ich -
kein zu hause je gefunden
und klammes Linoleum kam
nicht mehr zu altem Glanz
Und nun durch die Schläge
des bleiernen Globus
bedeckt mit Staub.
26.04.2009
Wenn die Wenden Wände
und frische Winde Wunden schlagen -
Wohl dem, der im Wahne wandert
und muss, weil er will,
weiland mit dem Kopf durch die Wand.
26.04.2009
… sei mir nicht böse, wenn …
… denn Du weißt es ja …
… da Du bei mir bist …
… ist ein fremdes Sein …
… ein, wie soll ich sagen …
… wagen wir, noch einmal …
… kein Mal zu tragen von …
… schon ist guter Rat …
… zu teuer …
26.04.2009
Was dem, der ohne ohnehin ohnmächtig,
Und dem, der mir mitleidend mittelbar mitgegeben
Und so wie sonst sowohl als auch
Sind wir, weil wehleidig wohl Lebewohl gesagt
Müde und von Mühsal mürbe
alle allein
Denn wenn schon nicht ohne
Dann schon gar nicht von ohne
26.04.2009
Sprachlose Traurigkeit in Buttercremeworten
Pastellwarmes Mondlicht fällt in taukalte Luft
Schwingen steigen durch den Wind zu Boden
Und treffen im Äther auf den Grund
Saftig grüner Rasen, reifbedeckt gefroren
Und am lauen Sonntag ein sanftes Bett
.
Ein Fakir, ja, neidvoll, reuevoll
Den Pfählen verwandt und verwoben
Sie liebend-dankbar und vor allem
Stur in sich aufgenommen
Wie fauliges Marmeladenbrot
Und nährt sich
Weil morgen beginnt
Was gestern endlich endlich
Und doch leider
Ein neues Jahr
26.07.2008
komm auf meine terrasse
und erzähl mir, wie es dir ergangen ist
ich hol uns kurz noch ne karaffe wasser
ich seh doch, dass du am verdursten bist
nun schieß los und spar nichts aus
bedien dich, auf dem tisch liegen kippen
suche deine blicke, fang sie gierig auf
so wie der rauch hänge ich an deinen lippen
und ich danke dir dafür, dass du
nach so langer zeit vorbeigekommen bist
und natürlich trägst du keine schuh
weil mit den zehen wackeln barfuss leichter ist.
04.07.2008
Was tust Du da? Stellst mich in Frage!
Prüfst kritisch wartend, was ich sage!
Glaubst keinem Wort, sei’s noch so schön.
Kannst doch in mir das Wahre sehn.
Bist mir ein Spiegel, der nicht zeigt,
was ich sein will und mich ohrfeigt
für großen Ton, unangemessen.
Raubst mir all das, was ich besessen.
Fast freiwillig geb ich es Dir,
mein eitles, altes Bild von mir.
Verbrenn es ganz! Verstreu die Asche!
Befreie mich von stolzer Masche,
von blindem Tun, das selbstgefällig
war und dir zum Danke stell ich
diesen jungen Sproß ins Licht,
zu sehen: wächst er oder bricht
auch dieses Bild von mir entzwei?
So weiß ich, es ist nie vorbei,
sich selbst zu entdecken,
voller Kraft sich auszustrecken
um sich selber zu begreifen.
immer locker, nie versteifen!
Man ist immer in Bewegung,
bleibt nicht zwei Stunden, wer man ist,
weil jedes Atmen, jede Regung
Dein Verstaubtes Bild zerfrisst.
Es folgt ein neues, bau’s Dir selber
oder besser: Lass es sein!
Erkennst am Ende immer wieder:
Dieses Ich ist nur ein Schein.