19.05.2011
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Oder: Die ein bisschen traurige Geschichte von Horst Flieger
Wir schreiben das Jahr 2011, und in diesem Jahr 2011 hockt eines späten Sommerabends, auf einem verlotterten Hof in einer Gegend, die so trostlos ist, dass sie nicht einmal eine Bezeichnung hat, im Niemandsland quasi, ein Mensch im Licht einer flackernden Funzel in seiner Küche und versucht, einen ordentlichen Knoten in ein unterarmdickes Seil zu schlagen, mit dem er seinem Leben noch heute ein Ende zu bereiten gedenkt. Dieser Mensch, der gerade mit einer so ungewöhnlichen Tätigkeit zugange ist, trägt den ebenso ungewöhnlichen Namen Horst Flieger, und seine Geschichte soll hier erzählt werden.
02.12.2010
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Räder müssen rollen für den Sieg
Oder: Gibt es eigentlich auch Halbidioten?
Jedes Jahr im Winter packt mich Silberstädterin das Bedürfnis nach Schnee statt Matsch, und so wünsche ich mich um diese Jahreszeit stets hinfort in das kleine Spielzeugdorf, in dem ich einige einsiedlerische Jahre verbracht habe; das Dorf heisst Weißenborn und ist toll, da gibt es Ponys, auf denen man reiten, Wald, den man durchstreunen, alte Bergwerksschächte, in denen man verbotenerweise herumgraben, neugierige Nachbarn, die man ärgern kann und ausserdem eine Feuerwerksfabrik im Wald, und das ist alles wirklich genauso spannend, wie es klingt. Kommen wir aber nun zum eigentlichen Problem, Weißenborn hat nämlich zwar eine Kneipe an der Hauptstrasse, wo die Betrunkenen dann nachts immer rausfallen und angefahren werden, aber keinen Bahnhof und ich kein Auto und das ist immer wieder ein Fiasko, nicht für mich, aber für die Deutsche Bahn, aber dazu gleich mehr.
In Anbetracht meines schrottreifen Germanistikstudentinnenfahrrads und einer fehlenden Kutsche beschloss ich, doch einfach mit der Deutschen Bahn zu fahren und in irgendeinem Nachbardorf auszusteigen und die paar Kilometer nach Weißenborn zu laufen, was meinem Bedürfnis nach Schnee sicher entgegenkäme, und so wandelte ich zu einem Dresdner Bahnhof, den ich jetzt nicht namentlich nennen mag, weil sich die, die dort arbeiten, mit diesem Text sonst zu Recht denunziert und diskriminiert fühlen könnten.
28.07.2010
Viertes und vervorletztes Staubozeanmärchen
Es liegt ein Ding im Bett des Königs, im Bett der Könige liegt ein Ding. Einen hellernen Holzring hat es um den Finger, der ist genauso scheintot, genauso schreinrot wie das Ding, das diskrete Ding, das wartet dass die Sonne aufgeht irgendwann. Eine Sphinx steht vor dem fliederfarbenen Felsen und weint, im grünen Gras ihr hellschwarzer Schatten, die Tränen grau, grauunsichtbar, verloren in maroden Maschen mäandernder Mädchenaugen.
27.11.2009
Schon mal gezwungen worden, etwas zu tun, das ihr niemals tun wolltet?
Ja, ich auch.
War mit auf Jonglierconvention in Nürnberg (ja, wirklich! Unglaublich, aber wahr!).
Hier ist der Beweis:

Quelle:
http://photos.albapasser.de/show.php?mode=single&id=09nuernberg&which=43&showcom=true
(Und mit liebem Dank an die Person, die mich in der Samtbassherzschlagkommentarspalte darauf aufmerksam gemacht hat!)
Ja, und weil ich ja zu allem meinen Senf dazugeben muss, folgt hier ein Text. Es geht um Uwe, einen Schriftsteller, der von Manfred, seinem Freund, dazu gezwungen worden ist auf eine Jonglierconvention zu fahren. Autobiographische Ähnlichkeiten sind selbstredend ausgeschlossen, alles rein fiktiv etc.
Und schöne Dinge zu erwähnen wurde natürlich ausgespart, weil Uwe keine schönen Dinge mag.
Hier die Auszüge aus Uwes Tagebuch:
Jongleurophobie
Oder: Uwe wehrt sich
Uwes Tagebuch
Freitag, der 20. November 2009
14:30 Uhr
Sitze auf Manfreds Beifahrersitz und nehme übel. Kann nicht nachvollziehen, wie es Manfred gestern gelungen ist, mich nach dem zehnten Bier dazu zu überreden, mit ihm nach Nürnberg auf eine Jonglierconvention zu fahren. Drei Tage unter Jongleuren, und das als normaler Mensch, sprich Schriftsteller, Sarkast, Soziopath. Weiß nicht, was ich dort soll. Mit Worten jonglieren, oder was?
Manfred ist nicht mehr mein Freund. Hasse Manfred.
14:35 Uhr:
Dachte heute Mittag noch, wäre alles Scherz von Manfred, bis er mich abholte, ich in sein Auto stieg und sein chinesisches Navigationssystem mir entgegenlächelte, das „Ziel Nülnbelg“ sei jetzt „eingespeichelt“.
Denke, wie gut, dass ich keine Freunde mehr habe.
14:45 Uhr:
Versuche, die guten Seiten von Manfreds Autobahnraserei zu sehen. Lieber einen schnellen, schmerzvollen Tod sterben als drei Tage in Nürnberg auf Jonglierconvention dahinzusiechen. Ist doch kein Leben, so was. Denke gerade, ist langer Prozeß bis nach Nürnberg und dass ich keinen Bock mehr habe, da saust Schild mit Abbildung von Göltzschtalbrücke an uns vorbei. Eindeutiges Zeichen.
18:15 Uhr:
Befinden uns kurz vor Nürnberg. Autoschlange schleicht vor sich hin. Wollen wohl alle nicht in die Reichsparteihauptstadt. Kann ich nachvollziehen.
18:30 Uhr:
Sind angekommen. Eintritt sollen wir auch noch zahlen. Hab mich erst aufgeregt, dann ist mir eingefallen, dass man für Horrorfilme und Geisterbahnen ja auch Eintritt zahlt. Warum also nicht. Zu bewohnendes Objekt ist Schule. Jongliert wird in der Turnhalle, geschlafen in den Klassenzimmern, je 25 Mann und Frau. Gibt sogar ein Schnarcherzimmer. Weiß, dass ich extrem schnarche, Problem ist, kann nicht schlafen, wenn andere Leute schnarchen. Hab Schlafsack ergo neben Manfreds im Nichtschnarcherzimmer postiert. Werde hier eh kein Auge zu tun.
19:15 Uhr:
Überall fröhliche Menschen, Wiedersehensfreude, bunte Farben, gute Laune. Manfred ganz in seinem Element. Hasse Manfred. Hasse Jongleure. Den Nachbarskindern dabei zuzusehen wie sie Katzenkacke aus dem Sandkasten im Hinterhof sieben ist definitiv spannender als diese Clownsbrigade hier um sich zu haben.
20:00 Uhr:
Sitzen an Tisch in Mensa. Manfreds feine Freunde unterhalten sich mit ihm über Dinge, die ich nicht verstehe. Fragen nicht mal, was ich mache. Uninteressiertes, asoziales Pack. Fühle mich ausgegrenzt, so als einziger Mensch unter Leuten, denen in ihrem Leben definitiv zu viele Bälle und Keulen auf den Kopf gefallen sind. Machen sich über meinen Rentierpullover mit den Bommeln lustig.
Gibt Abendbrot. Ein Teller Eintopf für jeden. Überlege, mich als Küchenhilfe zu bewerben, um den Jongleuren in die Suppe zu spucken. Selbst Tisch wackelt. Egal, verlasse mich hier sowieso auf nichts und niemanden. Hoffe, Manfred hat noch Rotwein im Auto. Wenn nicht, nehme ich seinen Spiritus.
Hasse Manfred, den Verräter.
22:15 Uhr
Prost. Habe Rotwein gefunden und beschlagnahmt. Manfreds feine Freunde entpuppen sich mehr und mehr als Nervennager. Reden gerade über Thomas, der Manfred nicht mehr mag, wegen einer Vermittlung über eine Agentur zu einer Zeit, in der ich noch mit den Fingern Löcher in die Aludeckel der Milchflaschen im Konsum gebohrt habe. Erinnert mich an Geschichten aus dem Krieg, was hier kursiert. Manfred niedergeschlagen, weil Thomas ihn mit Verachtung straft. Tröste Manfred, indem ich ihm versichere, er müsse nicht traurig sein, dieser Thomas sei sicher nicht der Einzige, der ihn nicht leiden könne.
23:30 Uhr:
Wurde jetzt doch wahrgenommen und gefragt, was ich denn so mache. Habe auf Grund erhöhten Blutpegels im Rotwein zurückgeschnauzt, ich sei eigentlich Schriftsteller und alles, was sie sagten, würde aufgeschrieben und gegen sie verwendet werden. Habe mich ausdrücklich distanziert von allen Anwesenden. Sie sich leider nicht von mir, vor allem im Schlafraum nicht.
Ist wirklich sehr unangenehm, dem Typen, dessen Schlafsack sich unter meinen Füßen befindet, dauernd an den Kopf treten zu müssen, nur weil er wieder an meinen Zehen rumlutscht.
Hasse Schule, hasse Jongleure, hasse Manfred.
Gibt definitiv zu viele Jongleure auf der Welt, vor allem aber in dieser Schule.
Samstag, 21. November 2009
09:05 Uhr:
Habe wohl doch geschlafen. Muss irgendwann zwischen 4 und 7 Uhr gewesen sein. Obwohl, gegen 5 Uhr nachts kamen dann noch ein paar Rumpubertierende in den „Schlafraum“ und haben sich gegenseitig fotografiert. Mit Blitzlicht. Hat nichts geholfen, derweil an Blitzkrieg zu denken. Habe ausserdem von Jongleuren geträumt, die mit meinem Kopf ihre Tricks vollführen. Beunruhigende Vorstellung. Gehe jetzt duschen.
09:15 Uhr:
Gehe doch nicht duschen. Schwer angenervt von all den Menschen. Sie sind überall, nie ist man allein. Beim Schlafen nicht, beim essen nicht, beim dumm rumstehen nicht, sogar beim Pinkeln kann man sicher sein, dass jemand neben einem steht. Mag keine überfüllten Gemeinschaftsduschen und beschliesse, in der die Zeit, die ich hier zu verbringen genötigt bin, für die Anderen wenigstens spannend zu riechen, wenn schon nicht spannend zu sein.
12:00 Uhr:
Habe kaum Zeit, Tagebuch zu schreiben. Muss schlechte Laune verbreiten. Fühle mich als verschleppte Geisel und versuche standhaft, schlechte Laune beizubehalten, indem ich krampfhaft an tote Eichhörnchenbabys denke. Muss durchhalten. Durchhalten.
14 Uhr:
Sind alle in der Turnhalle, um zu trainieren und sich gegenseitig mit ihren Tricks zu beeindrucken. Sollen sich bloß nichts darauf einbilden, dass sie jonglieren können. Ich kann dafür Mandalas ausmalen.
Haben sich ausserdem wieder über die Bommeln an meinem Rentierpullover lustig gemacht.
Habe Telefon neben Knabentoilette entdeckt. Ist Schild daneben, da steht: „Bei Störungen und Problemen drücken sie bitte die rechte untere Taste.“ Überlege, genau das zu tun. Jongleure stören schliesslich. Machen Probleme.
16 Uhr:
Lachen noch immer über meine Pulloverbommeln. Habe die Bommeln ein bisschen hin- und hergeschwenkt und behauptet, ich spiele Pulloverpoi und dies sei meine Erfindung. Waren alle beeindruckt. Dumme Jongleure.
19 Uhr:
Beschliesse, mich als Dokumenteur und Beobachter zu sehen, wenn ich schon nicht dazugehöre. Werde einfach Spion, bis es mich dahinwallrafft. Werde alles über Jongleure herausfinden und dann bösen Text über Jongleure schreiben. Danach wird niemand mehr mit mir reden wollen, die Betroffenen nicht und die Getroffenen erst recht nicht. Finde, ist gute Idee.
19:15 Uhr:
Habe alles Wissenswerte über Jongleure herausgefunden. Ist leider nicht allzu viel. Gibt nur zwei Typen von Jongleuren, die einen sind halbe Hippies, die anderen Mathe- und Informatikstudenten. Bemerkenswert aber, dass die Jongleurinnen alle barfuß herumlaufen, sogar draussen. Scheinen immun gegen Frauenkrankheit Blasenentzündung zu sein.
21:00 Uhr:
Jetzt Fackelzug der vereinigten Jongleure Deutschlands durch Nürnberg. Mit Feuer, Bällen, Keulen und viel, viel Krach. Laufe gezwungenermaßen mit. Denke, das ist also alles, was Jongleure können. Werfen und nerven.
23:00 Uhr:
Habe Manfred vom Fackelzug weg in eine Bar hineingelockt. Habe leider Portemonnaie vergessen, aber Manfred fragt, was ich haben will. Ich sage: „Deinen Autoschlüssel“. Steht aber schon ein Bier vor mir. Fluchtversuch gescheitert. Schmiede Rachepläne.
Sonntag, 22. November 2009
11:00 Uhr:
Betrachte durch Glasscheibe Jongleure in Halle. Habe großartige Geschäftsidee. Halle abschliessen und Eintritt nehmen. Bin sicher, dass normale Menschen viel dafür bezahlen würden, Leuten zuzusehen, die mit einer Konzentration, die ihresgleichen sucht, bunte Dinge in die Luft werfen, um sich daran zu erfreuen. Sehen alle so infantil glücklich aus wie mein Lieblingswaschbär im Zoo, wenn er an den Gemüseresten herumspielt.
11.10 Uhr:
Kann Schlüssel für Halle nicht finden, werde also kein reicher Mann. Manfred fragt, ob ich mit reinkomme, jonglieren. Betrete Halle, finde es deprimierend, dass sogar Siebenjährige mit fünf Bällen jonglieren können. Und das auch nur, weil sie den sechsten Ball Zuhause vergessen haben. Fühle mich untauglich, sage mir aber, sind nur Handwerker, keine Künstler.
11:15 Uhr:
Genervt von dicken Frauen, die mit Tüchern herumwedeln, das Kunst nennen und einen auf Elfe machen, während unter ihren Schritten und Sprüngen die ganze Halle bebt.
14:00 Uhr:
Habe mit Manfred jongliert. War großartiges Massaker. Bin Naturtalent. Kann vier Bälle auf einmal hochwerfen, Fangen üben wir das nächste Mal. Manfred hat mir die erste wichtige Jonglierregel beigebracht: Wenn was runterfällt, nie bücken, denn da kommt immer noch was nach. Regel klingt logisch. Muss an Gemeinschaftsduschen denken.
16 Uhr:
Bin schon halber Jongleur. Wen Manfred mich fremden Leuten vorstellt, zucke ich immer wild mit dem Kopf, so, als hätte dieser bereits viele Rendezvous mit Keulen gehabt und behaupte, schon auf vielen Jonglierconventions gewesen zu sein. Seltsamerweise glauben mir alle.
17 Uhr:
Kreativität hat mich angesteckt. Gibt viele Workshops hier, jeder darf machen, was er will. Habe auch Workshop gegeben, Vortrag über die Tradition der Keulenjonglage vom Neandertalertum bis heute gehalten. Fand aber niemand witzig. Waren auch nur fünf Leute da, aber immerhin für drei Minuten.
18 Uhr:
Abfahrt. Ziehe Resüme: Sich über die Frisuren von Tornadoopfern lustig zu machen wäre sinnreicher gewesen als die Zeit hier zu verbringen. Der Türsteher, den ich für meine Lesungen immer engagiere, wird demnächst eine weitere Instruktion erhalten, nämlich nicht nur, wie sonst, keine Neonazis und keine Antifa reinzulassen, sondern jetzt auch noch: keine Jongleure!
(c) Morné Mirastelle, Nebelmond 2009
Oder, um es mit Sebastian Krämer zu sagen: Die Welt braucht keine Jongleure. Genau, und Danke für das schöne Wochenende!
04.06.2009
Ich bin ein Schreibkind und ich komme aus der Stadt, wo die Mormonen wohnen.
Ich habe ein Problem, ich bin lernresistent, ich kann mir nicht merken, dass Alkohol nicht gegen Auftrittsangst hilft und auch nicht, dass man das Publikum besser nicht beschimpft. Neulich habe ich mir also überlegt, dass ich beim Vorlesen nicht mehr von Erwachsenen mit Aschenbechern beworfen, sondern doch lieber von Kindern und Erwachsenen bespuckt werden will, und so habe ich beschlossen, Geschichtenerzählerin zu werden und auf Hochzeiten, Jugendweihen und nicht zuletzt auf Kinderfesten meine Moral mittels Märchen unter das junge Volk zu bringen.
26.04.2009
… sei mir nicht böse, wenn …
… denn Du weißt es ja …
… da Du bei mir bist …
… ist ein fremdes Sein …
… ein, wie soll ich sagen …
… wagen wir, noch einmal …
… kein Mal zu tragen von …
… schon ist guter Rat …
… zu teuer …
23.04.2009
Oder: Wie ich zu meinem Buchcover kam
Es geschah eines Tages, dass mein kleiner Kater sturmfrei bekam, weil ich nach Berlin musste, um mich ablichten zu lassen, da mein Verleger der Meinung war, die von mir zugesandten Partybilder dürfe man aus Gründen der Geschmacklosigkeit keinesfalls mit meiner Veröffentlichung in Verbindung bringen. Ordentliche Pressefotos mussten also her, und auf ihnen sollte ich auch noch halbwegs manierlich aussehen.
Das war viel verlangt, doch ich tat mein Bestes. Einen Tag vor meiner Reise entschied ich mich also schonmal, nicht zum Friseur zu gehen, denn bei meinem letzten Besuch dort hatte die Friseuse meiner Bitte, mir den Pony gerade und kurz zu schneiden, dahingehend entsprochen, dass sie mir den gesamten Pony einfach absäbelte. Als ich beim Anblick der Frankensteinschen Stirn im Spiegel zu weinen begonnen hatte meinte sie nur lapidar, das mache doch nichts, ich könne doch bei meinem morgigen Rendezvous eine Mütze tragen, das sei jetzt überhaupt in.
06.11.2008
So, wie ihr ja nun alle wisst, veröffentliche ich gerne mal Listen mit den schwachsinnigsten und / oder schockierendsten Begriffen aus meiner Suchwortstatistik. Da ich Listen liebe – §“xxx$%/$§ – will ich euch heute eine kleine Auswahl der Titelvorschläge für mein Buch, welches euch Anfang 2009 an den Kopf geworfen werden wird, zukommen lassen.
Mir wurde angeraten, der “Verkaufbarkeit” halber superschöne Phantasiewörter gegen plakative Plattitüden auszutauschen.
Wie immer haben natürlich nur die krassesten, niveaulosesten, blödsinnigsten und gemeinsten Vorschläge einen Platz auf der No-Go-Liste verdient.
15.09.2008
Wir hören ihn: den menschlichen Tierschrei, graulila, dem horizontlosen hellblauen Himmel entgegen, kläglich kärgliche Opfergabe statt zerrendem, donnerndem Wutgeschrei – weil wir am Leben bleiben. Nur sterbende Heroen gönnen sich den letzten kraftvollen, wütenden Laut, der aus ihrer Agonie herausbricht – aber uns, uns hat der Tod nicht nötig. Einfach nicht nötig. Gott. Gott Mensch. Halbweiss, wissend, analysierend in den Krematorien – Kliniken für Körper oder Seele, richterlich Beschlüsse fassend, Begriffe findend für all die erbärmlichen Erkrankungen, die nur deshalb erbärmlich sind, weil WIR sie jetzt leben, weil WIR es sind, die darinnen, in diesem Zustand, darben.
20.07.2008
Erlebnisbericht eines nicht stattgefundenhabenden Erlebnisses
Da ich mich am Samstag ungenügend integriert fühlte, war es mal wieder an der Zeit, sich anderen Außenseitern und Aussätzigen zu widmen (ja, ich meine Dich, liebe Unterschicht – zum Glück kannst Du das eh nicht lesen!); irgendwie muss man seine Zeit ja auch totschlagen. Da die Themen Prostitution und Nazis momentan eher ausgelutscht sind – ach, schlechter Witz – und bei den aliassen, die schon seit 3 Jahren zwei Häuser von meiner Residenz entfernt ihre Konferenzen abhalten, die Rolladen (Rolläden? Rouladen?) des Erdgeschossprojektplanungszentrums runtergelassen waren, begab ich mich mit Peter, der nicht existiert oder eigentlich nicht existieren dürfte in meiner Welt, weil er Kapitalist, Darwinist und Imperialist ist, an die Elbe.