01.02.2011

Bisschen was lesen…

geschrieben am 01.02.2011 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 0 Kommentare

…  am 02. Februar 2011 auf dem Poetengeflüster im Dresdner Lingnerschloss und

… am 11. Februar 2011 auf dem LimitJazzSlam in der Dresdner Schauburg.

Morné

13.01.2011

Gänseblümchen im November

geschrieben am 13.01.2011 in Schemenhaftes von Morné Mirastelle · 3 Kommentare

Befund:

Sich befinden in der

Stadt der goldgrünen Lichter


Es ist ein Tag wie geborgen, ein Tag wie geborgt.

Die Sonne hing an der Eiche die ganze Vollmondnacht, jetzt schläft sie tief im Holz. In der Stadt der grüngoldenen Lichter ist nicht wichtig, was es ist, sondern was es bedeutet, bezeichnet, und Zeichen brechen durch den Asphalt und strecken als Recken die Äste in den hohen Himmel, die Wurzel tiefer in die Mitte, gebrochen durch die Erdenhaut.

Diesen Tag beblicke ich durch Wimpern, die wirr sind wie Wälder. Die Stadt ist benetzt vom Nebel, der nicht vom Himmel kommt; angefüllt mit warmem Menschenatem. Als schliefe sie noch, zugedeckt, warm, beschützt. Nichts Schlimmes kann sie je erreichen, kein Schauder durch die Stille dringen. Ein Tal, in innerem Frieden abgeschnitten von Welt, Zeit und Weltzeit.

Hier geht die Reise los, die Reise zurück

in den Berg

in die Zeit

Die Reise beginnt am Bahnhof, dem grauen, wattigrunden, pulsierenden Herzen der Stadt.

Die Reise beginnt wie…

Durch den Wesenwald


… Nieselregen, der als Nebel über den bebaumten Bergen hängt. Stollengeister hausen da, zwischen den Steinen. Nach Hause kommen ist wie in einen Schacht einfahren: Dringen zum Herzen, Dringen zum Gewohnten, Geschützten, Geborgenem, Geliebten von der Welt. Zum Mittelpunkt der Welt, der geschützt, der so gemauert ist, dass ich selbst keiner Mauern mehr bedarf.

Und alles ist so richtig, dass selbst die Trostlosigkeit tröstet, weil sie an ihrem Platz ist wie alles. Tropfen kalten Regens, aber die Füße sind warm: Das kommt von dem Pulsieren unter der Erde, das immer stärker wird, immer wärmer wird, das Kraft hat und Leben und Erinnerung.

Das uns begrüsst.

Willkommen zurück.

Hier, im Wesenwald, beginnt sie: die Heimat, die uns erkennt, weil sie uns kennt.

Und die Geister aus den Stollen und die Geister am Fluß sind noch dieselben aufregenden, vertrauten Unbekannten wie damals.

Einheitsamkeit


Zwischen RadRattern und ZugZuhause dringt durch den Wesenwald die Einheitsamkeit.

Ein Flüstern und Wispern und Tuscheln an jedem Stein, an jeden Baum. Ein jeder wesenbelebte Nebelfetzen im Astgewirr raunt es dir zu: Ich weiß und du bist mir bekannt und willkommen zurück.

Heimat ist, wo die Landschaft dir so vertraut ist, dass du die Veränderungen erkennst, wo du in einer…

In der Spielzeugstadt


… Spielzeugstadt ankommst und gehst durch einen Ort, der zwischen Burgmauern dich auf Erinnerungen statt Steinen und Strassen laufen lässt.

Wo nicht man, aber du, nicht fallen kannst, weil das Fundament vertraut heisst und dir traut ist. Wo die Anderen fremd sind, weil es deine Stadt ist, deine Strassen, deine Steine, selbst nach Jahrhunderten noch.

Eine aus der Zeit gefallene Scholle Land, ein Stück abgebrochene Welt, ein Ort, der sich mit dir

verbündet

hat

auf

immer.

Das verlorene Dorf


Das verlorene Dorf durchschreitet man nur als Spuk. Die TraumZeit darf niemand vergessen. Dafür bin ich hier. Ein Mal, nicht aus Stein, ein Ge-Denk-Mal-an gegen das gehasste hässliche Haus.

Schneewittchentanten ruhen in sich selbst und heulen richtig, und wenn, dann ist das richtig.

Kehren zurück und kehren hervor.

Im verlorenen Dorf gibt es keine Teppiche mehr.

Im verlorenen Dorf die verlorene Sprache.

Die Sprache

Geht tiefer

Und tiefer

Zum

Spruch

Wir treffen uns

Am Wiesenbrunnen

Am weißen Brunnen


…immergün steht sie

An Urds Brunnen.

(Edda, Der Seherin Gesicht, 13)

Verwunschen und verzaubert und verschlafen. Da liegt er, zwischen weiten Wiesen und Wesenwald: der Brunnen.

Wurzel und Fluss zugleich.

Im Frühjahr der Schlamm, aus dem ein jedes Lebewesen kroch. Die Sehnsucht hangelt sich von den verkrümmten Ästen.

Im Sommer eine Zigarette unter dem weitesten, blauesten Himmel und im würzigsten, weichesten Heu.

Im Herbst ein trauriges Schlaflied im Blätterwirbelsturmschicksal.

… spät im Jahr deckt Glitzerschnee die WinterWunden zu.

Nachts treffen wir uns auf dem tiefen, tiefen Berg und verzaubern und besprechen Wald und Welt.

Ein Flug durch Licht und Luft, durch Baumkronen und Blättergewirr.

Ein Wispern aus der Zeit.

Sicht im Schatten und Schatten in Sicht.

Nachts am weißen Brunnen: Feuer, Runen und Kreuzwege.

HeilLand


…vielwissende,

drei, aus dem Born, der unterm Baume liegt.

(Edda, Der Seherin Gesicht, 14)

Am Brunnen steht ihr unter dem Baum, der die Welt ist, der sie schliesst, rundet, der den Himmel näher an die Erde bettet und sie bedeckt jeden Abend, bevor die Nacht heranbricht und herein-einbricht.

Da klingt es an, wenn wir uns an den Händen halten: etwas in uns, das Tiefe, Wahre, allen Wesen eigene.

Das Alte.

Das Heilige sind Punkte aus Licht in der Schwärze des Himmels, konsequent und klar.

Ein Schatz am Brunnen, heilig, nicht heil.

Von diesem Ort aus wird gebaut ein Paradies ohne Erwachsene, für lose, von Baum und Nest gefallene Blätter, die die Welt hinter der Welt kennen.

Nur hier, an diesem Ort, an diesem Brunnen, an diesem Wortortbrunnen wachsen sie,

die

Gänseblümchen

im

November.

© Morné Mirastelle, Hartung 2011

19.12.2010

Irrlichtern

geschrieben am 19.12.2010 in Schemenhaftes von Morné Mirastelle · 4 Kommentare

Mein Irrlicht


Oder: Ein Notwendfeuer auf offener See


Kinder sind keine Fässer, die gefüllt,

sondern Feuer, die entzündet werden wollen.“

(François Rabelais)


Aus der Tiefe eines Traumes steigen die Bilder. Mit blauen Eisschleiern im Hinterkopf ein Starren in den Schnee. Noch schläft die Welt, riechen die Menschen nach Traum, flattern Fetzen archaischer Allgewalten um Häuser und Hirne. Wir sind die ersten, wir haben die Augen offen gehalten die ganze Nacht, und bar und bloß liegen die Seelen ungeschützt.

Und sind gefallen in eine andere Welt, ohne es zu merken, ohne das Tor zu durchschreiten. Da haben wir den kleinen Schwestern die Seele zermatscht, blutig und klein lagen sie auf den hässlichen Händen, herausgerissen und leblos. Und jetzt sind die kleinen Schwestern blond, süß und leer. Wandeln unter den Lebenden und nur wir können wissen, dass sie doch schon tot sind. Sie weichen unseren Blicken aus, erkennen uns nicht mehr, und Schmerz und Schuld reißen vom Scheitel zur Sohle einen heißblauen Blitz in unsern Leib. Niemand weiß von einer Gewissensnot, die gierig ist wie ein Geier. Und genauso geheim.

In ein Grab haben wir sie geworfen, und als wir die Erde aufbrachen, erkannten wir die Wirklichkeit: dass Särge sind wie Mülltonnen. So künstlich wie Kunststoff, passend zu Leben, die sind wie der Tod selbst: unwichtig, wenn sie nur in die richtige Form finden. Wie Menschenkinder: Hüllen, die es zu befüllen gilt mit Unrat.

Und in der Grabkammer brennt noch ein nacktes Neonlicht. Bis einer die Tür schliesst.

Es ist ein Unterschied, ob man mit Boden unter den Füßen losläuft und beflügelt von Gaben und Geschenken oder bepackt mit einem schweren Rucksack, der größer ist als man selbst und größer, als man jemals sein wird. Und der immer größer wird.

Und statt auf Reise zu gehen, erledigen wir das Leben statt es zu erleben. Erledigen es mit einem Zettel, einem Stift und einem Pistolenschuss. Dabei sind wir fern, wir nennen es All-Tag, und so treiben wir und ankern höchstens an den Wänden noch.

Ein Erdbebenleben eben.

Was nutzt ein Stein am Seil, wenn Sturm ist im offenen Meer? Und ist die Oberfläche doch glatt, die Allgewalten bezwingen wir nicht, in der Nacht reißen sie uns wieder mit, sie haben ein Anrecht auf uns, sie sind wie wir und wir wie sie. Man kennt sich. Man grüßt sich.

Im kastigen Betonbordell, das Weiber ebenso wie Vergewaltigung verwaltet, fehlt eine Frau. Auf der Liste. Liesse sich ersetzen, aber spannend wäre es doch, zu erfahren, wo sie ist. Ob sie wieder kommt. Wieder weitermachen wird.

Am Strand habe ich sie gefunden, das, was noch sie selbst war, also eigentlich: nur den Kopf. Angemalt und selbst im Tode lächelnd. Hat sich ein Gesicht gezeichnet über und gegen die Zeichnung des Schicksals. Und bricht man ihren Schädel auf, gegen den die Wellen schlagen am Tag und in der Nacht, so findet man eine Kerbe auf der Seele, nein, es sind mehrere, viele, es ist, als habe man am Türrahmen festhalten wollen, wie groß das Kind geworden ist, wie es wächst, verewigt im Holz, doch Wachstum ist es nicht, was da geschnitzt wurde als Zeichen, da ist nichts er-wachsen als das liebe, liebe Leid. (Das Schicksal liebt das Leid. Und leidet an der Liebe. Leider.) Und die Schuld hat die Seele ganz grau gemacht. Mit einem Blick kann man das erkennen, leider müsste man dazu erst den Schädel spalten, so tief sitzt es und liegt dann doch bloß. Es bedürfte hier, in diesem Fall, ganz eindeutig einer Kennzeichnungspflicht. Aber das riecht dann auch wieder nach Schädelvermessung. Und das will ja wieder keiner.

Und weil wir dann außen so rau waren und innen ganz rot und wund, und weil es nicht mehr auf nichts ankam, haben wir dann noch eine Menschenfigur aus dem Fenster gestoßen. Die Befriedigung war nicht so groß wie das Ziehen und das Zerren an ihren Haaren, aber zumindest war ein Gefühl da. Für den arkanischen Augenblick. Und vor dem Ausstoßen haben wir sie ausgezogen. Für den Fall. (Den Fall des freien Falls.)

Jetzt warten wir auf das Zeichen. Die Sonne wird nicht aufgehen an diesem Tag, aber müde Menschen werden wach. Haben Schleier auf den Augen und traumwandeln vor sich hin, durch den Tag, geschützt von einer warmen Decke, die sie bettet. Sich unter diese Menschen mischen, auf ihr Käferkrabbeln durch das Glas zu glotzen, das sind die Haken an den Wänden. An denen machen wir fest, machen wir uns fest. Dann schaukelt das Schiff nicht mehr so schlimm, bis eine Fetzenfee, blassblau wie durchsichtiger Donner, wieder im Türrahmen steht und schweigt statt spricht. Wir nehmen es mit. Das Geheimnis. Durch die Nacht, durch den Tag und durch das ganze Leben. Wir lassen es nicht los.

Wir bluten nicht aus.

Es wird nicht das Richtige passieren, wenn wir nicht das Richtige tun. Es ist Notwendfeuerzeit.

© Morné Mirastelle, Julmond 2010

03.12.2010

Heute Abend, den 3.Dezember 2010…

geschrieben am 03.12.2010 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 0 Kommentare

… habe ich die Ehre, mich auf dem Limit Jazz Slam in den Dresdner Kasematten gegen eine Jazzband und weitere Mitleser durchsetzen zu dürfen. Also, wer noch Motivation, Euphorie oder Tomaten über hat… ;)

Es freut sich: Mo

02.12.2010

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Räder müssen rollen für den Sieg

Oder: Gibt es eigentlich auch Halbidioten?

Jedes Jahr im Winter packt mich Silberstädterin das Bedürfnis nach Schnee statt Matsch, und so wünsche ich mich um diese Jahreszeit stets hinfort in das kleine Spielzeugdorf, in dem ich einige einsiedlerische Jahre verbracht habe; das Dorf heisst Weißenborn und ist toll, da gibt es Ponys, auf denen man reiten, Wald, den man durchstreunen, alte Bergwerksschächte, in denen man verbotenerweise herumgraben, neugierige Nachbarn, die man ärgern kann und ausserdem eine Feuerwerksfabrik im Wald, und das ist alles wirklich genauso spannend, wie es klingt. Kommen wir aber nun zum eigentlichen Problem, Weißenborn hat nämlich zwar eine Kneipe an der Hauptstrasse, wo die Betrunkenen dann nachts immer rausfallen und angefahren werden, aber keinen Bahnhof und ich kein Auto und das ist immer wieder ein Fiasko, nicht für mich, aber für die Deutsche Bahn, aber dazu gleich mehr.

In Anbetracht meines schrottreifen Germanistikstudentinnenfahrrads und einer fehlenden Kutsche beschloss ich, doch einfach mit der Deutschen Bahn zu fahren und in irgendeinem Nachbardorf auszusteigen und die paar Kilometer nach Weißenborn zu laufen, was meinem Bedürfnis nach Schnee sicher entgegenkäme, und so wandelte ich zu einem Dresdner Bahnhof, den ich jetzt nicht namentlich nennen mag, weil sich die, die dort arbeiten, mit diesem Text sonst zu Recht denunziert und diskriminiert fühlen könnten.

Kompletten Artikel lesen

29.11.2010

Mittwoch, den 01.12.2010

geschrieben am 29.11.2010 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 0 Kommentare

Bin ich hier:

http://www.poetengefluester.de/index.php?id=110

Ich freue mich, bei der Weihnachtsshow dabei sein zu dürfen, es gibt sogar eine fast freundliche Weihnachtsgeschichte und ich genieße dafür dann volle sieben Minuten Ruhm. ;)

Es ist ein bisschen fies, das hier anzukündigen, weils eigentlich keine Karten mehr gibt, also werdet kreativ, bildet Banden, eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Morné

06.10.2010

Heute, 06.10.10: Dichtergetuschel…

geschrieben am 06.10.2010 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 0 Kommentare

… beim Poetengeflüster Dresden. Ich tuschel mit.

www.poetengeflüster.de

the Mo

04.09.2010

Ko(s)mische Fragen und ko(s)mische Antworten…

geschrieben am 04.09.2010 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 1 Kommentar

Ian Curtis ist tot. Sag ich jetzt mal so.

Was ich sonst noch zu sagen habe, könnt ihr im Interview auf de-re.de nachlesen, in dem ich mich 10erlei Fragen gestellt habe. Viel Spaß. :)

http://www.de-re.de/shorts-morne-mirastelle.html

29.08.2010

Heute…

geschrieben am 29.08.2010 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 0 Kommentare

… ———————> Offene Bühne in der Blauen Fabrik.

Gruss, Mornel

www.offenebühneimhecht.de

24.08.2010

Lesung auf dem Hechtfest

geschrieben am 24.08.2010 in Scheinwerfer von Morné Mirastelle · 1 Kommentar

Liebe Menschen,

falls ihr glaubt, wir gehörten zum selben Zirkus, wäre ich unglaublich froh, euch auf dem diesjährigen Hechtfest bei meiner Lesung auf der Poetengeflüsterbühne im Zirkuszelt begrüssen zu dürfen, und zwar diesen Freitag, den 27. August 2010.

Beginn: 20:30 Uhr

Ort: Zirkuszelt Bischofsplatz (Ecke Leonhard-Hechtstrasse)

Kosten: Nerven

Verweise:

http://www.inselnimhecht.de/buehneninseln.html

http://www.hechtfest.hecht-viertel.de/hechtfest.html

http://www.poetengefluester.de/

Bis dahin,

Morné

(Foto: (c) Marielle Viola Morawitz)