23.09.2009
Jeden Sonntag, seit dem ich ihn kenne – also seit etwa 5 Jahren – ruft mich mein Erzeuger an, um mit mir zu schwatzen. Dabei geht es meist um das Wetter, den Garten, die Marathonläufe seiner Freundin oder die Urlaubspläne, und wenn ihm gar nichts mehr einfällt, fragt er mich: „Sag mal, hast du gestern das und das im Fernsehen gesehen?“ und ich antworte jeden Sonntag: „Paps – ich habe keinen Fernseher. Ich lese lieber.“
Ich habe die drohende Gefahr nicht kommen sehen, ich dachte, der klaren Worte seien genug gewechselt, ich habe nicht mal darauf geachtet, dass er mir dennoch jeden Sonntag die selbe Frage wieder stellte, und so kam es, wie es kommen musste, als ich ihn das letzte Mal in Bremen besuchte, meinte er: „Ich hab da noch was Schönes für dich, zum Geburtstag“ und er führte mich ins Wohnzimmer, wo ein Karton stand, der ungefähr 2 Meter breit, einen Meter hoch, dafür aber unglaublich flach war. Mir schwante sofort Übles, und als ich den sich darin befindlichen 42-Zoll-Monitor auspackte, konnte ich die Tränen kaum unterdrücken und war nur noch des Stammelns fähig, mein Paps aber freute sich einen ab, endlich hatte er mich zu einem zivilisierten Menschen gemacht, endlich würde er Sonntags eine Antwort auf seine Frage bekommen, ob ich denn dieses oder jenes gesehen habe – im Fernsehen.
14.06.2009
Meine Universität und ich, wir haben ein gespaltenes Verhältnis zueinander.
Ich studiere Geschichte und Germanistik, dafür ist es notwendig, dass ich Latein lerne, denn irgendwer muss ja dann irgendwann mal all die mittelalterlichen Urkunden vom Lateinischen ins Deutsche übersetzen und ich weiss jetzt schon – ich werde es nicht sein.
Mein Lateinlehrer ist ein Lateinlehrer, ihr wisst ja, Latein, das ist keine Sprache, es ist, obgleich tot, eine Lebenseinstellung, alles sauber durchkonjugiert und durchdekliniert, und was nicht im Präteritum Passiv mittels relativen Satzanschlusses zu vermitteln ist, das existiert nicht.
04.06.2009
Ich bin ein Schreibkind und ich komme aus der Stadt, wo die Mormonen wohnen.
Ich habe ein Problem, ich bin lernresistent, ich kann mir nicht merken, dass Alkohol nicht gegen Auftrittsangst hilft und auch nicht, dass man das Publikum besser nicht beschimpft. Neulich habe ich mir also überlegt, dass ich beim Vorlesen nicht mehr von Erwachsenen mit Aschenbechern beworfen, sondern doch lieber von Kindern und Erwachsenen bespuckt werden will, und so habe ich beschlossen, Geschichtenerzählerin zu werden und auf Hochzeiten, Jugendweihen und nicht zuletzt auf Kinderfesten meine Moral mittels Märchen unter das junge Volk zu bringen.
03.05.2009
Dieses Buch da ist zwar eher nicht lustig, aber was solls, ich bin jung und brauche das Geld.
Also kauft euch das Buch oder kauft es euren Freunden oder Feinden, damit ich endlich meine Telefonrechnung bezahlen kann.
Hier gehts zum virtuellen Buchladen:
http://www.ubooksshop.de/product_info.php?info=p611_Kopfsteinpflaster—Morn–Mirastelle.html
Und hier noch der Verweis zur Presseseite von ubooks:
http://presse.ubooks.de/morne/index.htm
23.04.2009
Oder: Wie ich zu meinem Buchcover kam
Es geschah eines Tages, dass mein kleiner Kater sturmfrei bekam, weil ich nach Berlin musste, um mich ablichten zu lassen, da mein Verleger der Meinung war, die von mir zugesandten Partybilder dürfe man aus Gründen der Geschmacklosigkeit keinesfalls mit meiner Veröffentlichung in Verbindung bringen. Ordentliche Pressefotos mussten also her, und auf ihnen sollte ich auch noch halbwegs manierlich aussehen.
Das war viel verlangt, doch ich tat mein Bestes. Einen Tag vor meiner Reise entschied ich mich also schonmal, nicht zum Friseur zu gehen, denn bei meinem letzten Besuch dort hatte die Friseuse meiner Bitte, mir den Pony gerade und kurz zu schneiden, dahingehend entsprochen, dass sie mir den gesamten Pony einfach absäbelte. Als ich beim Anblick der Frankensteinschen Stirn im Spiegel zu weinen begonnen hatte meinte sie nur lapidar, das mache doch nichts, ich könne doch bei meinem morgigen Rendezvous eine Mütze tragen, das sei jetzt überhaupt in.
25.11.2008
im fliederfarbenen sand ein stück glas. chaoslichtern umgeistert von uralten lichtstrahlen, ein prisma im grünen flaschengeist. seit gestern ist die sonne rot.
in den abrisshäusern stehen frauenschatten einsam und ewig; sie haben sich selbst wach gemacht, doch wissen nun nicht mehr, warum. also stehen sie weiterhin da, auf ihrem grausig unendlichen zeitstrahl und starren in den grauniesligen novemberregen, der in die glaslosen fenster sprüht. und in den menschengelebten häusern, da stehen andere schatten. in den stummen bibliotheken, in den warmen küchen, in den buntgewohnten wohnzimmern, den verhassten engen fahrstühlen, den durchhasteten fluren, den wispernden hörsälen, den seufzenden schlafzimmern, den gelangweilten aufenthaltsräumen, den gestressten büros, den hilflosen wartezimmern, in den kaltdüsteren treppenhäusern, in den durchschauderten kinderzimmern. vor allem in den kinderzimmern.
18.10.2008
Liebe Leserinnen und Leser, heute, zum 18. Oktober 2008, möchte ich euch wieder einen kleinen Bericht aus der Frontstadt liefern. Es wird eventuell nötig sein, diesen noch zu ergänzen, da die Ereignisse stetig fortschreiten, wie sie es nun mal so an sich haben.
Jetzt tut sie es nicht mehr – aus gutem Grund -, aber heute Morgen schien sie noch, die allseits geliebte Sonne, der Himmel war blau, das Herbstlaub leuchtete – Kaiserwetter, möchte man fast sagen -, und so entschloss ich mich, einen kleinen Spaziergang vorzunehmen, der rein zufällig die selbe Route haben sollte wie die angekündigte Demo der AntiIrgendwas (und ja, ich weigere mich, euch klein zu schreiben).
15.09.2008
Wir hören ihn: den menschlichen Tierschrei, graulila, dem horizontlosen hellblauen Himmel entgegen, kläglich kärgliche Opfergabe statt zerrendem, donnerndem Wutgeschrei – weil wir am Leben bleiben. Nur sterbende Heroen gönnen sich den letzten kraftvollen, wütenden Laut, der aus ihrer Agonie herausbricht – aber uns, uns hat der Tod nicht nötig. Einfach nicht nötig. Gott. Gott Mensch. Halbweiss, wissend, analysierend in den Krematorien – Kliniken für Körper oder Seele, richterlich Beschlüsse fassend, Begriffe findend für all die erbärmlichen Erkrankungen, die nur deshalb erbärmlich sind, weil WIR sie jetzt leben, weil WIR es sind, die darinnen, in diesem Zustand, darben.
12.08.2008
Lieber Franz Josef,
ist die Welt heut wieder besonders einfach? An Geld und Hirn mangelt’s offenbar nur bei einem schlecht recherchierenden, sich ständig selbst widersprechenden Kolumnisten der BILD, der so viel Gehirnjogging mit Dr. Kawashima gemacht hat, dass er glaubt, die Welt in seinen Weisheiten ertränken zu müssen.
Es gibt durchaus Medikamente gegen AIDS, der Forschung fehlt es weder an Geld, noch an Hirn – höchstens an Moral. Denn wer sind die am meisten Betroffenen von AIDS? In Afrika befinden sich 64% der AIDS-Erkrankten, in Südostasien 18,4%. Da diese Menschen nicht gerade zu den Zahlungskräftigen der Welt gehören, kommen erforschte Medikamente auch nicht bei ihnen an. In Europa dagegen schon (1,7% der AIDS-Erkrankten global).
04.08.2008
Wir träumten einst vom Leben: da waren wir noch gar nicht geboren. Wir träumten einst vom Leben: und unser Traum war stark. Wir träumten einst vom Leben: und wussten doch noch gar nicht, was Leben ist.
Wir waren uns unser selbst noch nicht bewusst. Ganz am Anfang, da war das nur ein Traumgebilde.
Und der Traum wurde zum Gedanken. Der Gedanke wurde zum Willen: und der Wille wurde zu reinster Energie.
Etwas hatte das Universum erträumt und es und uns dadurch erdacht.
Wir träumten von der Welt und vom Leben und hatten beides erträumt und erdacht.